Die Sache mit den Entscheidern – Lean Management

Im ersten Teil habe ich mich mit Pair Programming beschäftigt. Auf dem .NET Open Space Süd kam natürlich auch das Dauerbrennerthema agiles Projektmanagement auf. Deshalb geht es in diesem Artikel genau darum, d.h. nicht um Scrum als eine Ausprägung davon, sondern um die Konzepte dahinter und wie sich diese den verantwortlichen Stellen verkaufen lassen.

Persönlich denke ich, dass sich die Ideen dahinter auch zum großen Teil umsetzen lassen, ohne dass der Prozess vollständig implementiert werden muss. Das könnte die Basis für eine offene Diskussion sein, denn viele Projektmanager (PMs) winken bereits ab, wenn sie Begriffe wie Agilität und Scrum hören.

Fangen wir doch mit dem Work In Progress (WIP) an: Statt an 10 Projekten gleichzeitig zu arbeiten, die erst nach 10 Monaten einsatzbereit sind, ist es betriebswirtschaftlich gesehen immer sinnvoller, ein Projekt nach dem anderen zu realisieren. Bündelt man die Arbeitskraft, wäre je ein Projekt nach einem Monat fertig (vereinfachte Rechnung…), sodass beispielsweise 3 Module nach 3 Monaten effektiv eingesetzt werden und Kosten eingespart bzw. Gewinne maximiert werden könnten. Diese Argumentation dürfte einfach zu gewinnen sein, wenn denn der PM rudimentäre Kenntnisse im Projektmanagement besitzt.

Bei der Projektplanung wird nicht über die innere Qualität diskutiert, d.h. Debatten wie ‘dann machen Sie es erst einmal Quick and Dirty, damit wir Zeit sparen’ entfallen. Mit der Fachabteilung wird lediglich der Umfang verhandelt, sprich wenn Zeit eingespart werden soll, dann nicht durch schlechteren Code, sondern durch weniger Features. Diese Diskussion könnte schon schwieriger zu gewinnen sein. Wenn der PM über längere Berufserfahrung verfügt, dürfte eine ehrliche Betrachtung der Vergangenheitswerte ihn aber ebenfalls zur Einsicht bringen. In jedem Fall – auch unabhängig von der Praxiserfahrung – können hier Beispiele aus dem privaten Leben fruchten: Wenn das Auto nur provisorisch repariert wird, dann folgt das böse Erwachen meistens früher als später.

Regelmäßige Meetings (alle 1-2 Wochen) ergeben sich allein schon aus der schnellen Entwicklung der geschäftlichen Prozesse. Wer aber auch hier Überzeugungsarbeit leisten muss, der könnte sich von dem PM bzw. der Fachabteilung das Spiel Tic Tac Toe erläutern lassen. Mir scheint es unrealistisch, selbst bei diesem einfachen Szenario, dass immer an alles gedacht wird. Was passiert, wenn ein Spieler gewonnen hat? Soll automatisch ein neues Spiel gestartet werden, soll eine Gewinnmeldung ausgegeben werden, etc.. Hierzu gibt es einen Artikel in der dotnet pro, in welchem besagtes Spiel auseinander genommen und aus diesem Kontext heraus beleuchtet wird. Viele der Fragen tauchen erst im Verlauf der Entwicklung auf, sodass ein großes Meeting, in welchem alles besprochen werden kann, zw. unrealistisch bis unmöglich schwankt.

Planungssicherheit ist ein Schlagwort, welches im Kontext des Wasserfallmodells völlig fehl am Platze ist. Welches Projekt, das auf 2, 5 oder 10 Jahre angelegt war, konnte tatsächlich die Rahmenplanung (Kosten, Zeit) einhalten. Die Zahl dürfte gegen 0 gehen. Vergangenheitsbetrachtungen dürften hier auch schnell Aufschluss geben. Es existieren keine Referenzprojekte? In der Tagesschau hört man wöchentlich von solchen, sei es nun der Bau eines neuen Flughafens oder die Einführung eines Mautsystems. Durch die kurzen Iterationen erreicht man schnell (meistens innerhalb von 8-12 Wochen) einen guten Eindruck dafür, was innerhalb von 2 Wochen erreichbar ist. Was scheint nun plausibler? Eine Planung, die auf Vergangenheitswerten beruht und die vom Kleinen ins Große rechnet oder der umgekehrte Weg, bei welchem 2 Jahre angesetzt werden und dann muss das Projekt abgeschlossen sein? Lieber den Spatz in der Hand oder die Taube auf dem Dach?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es vielleicht langfristig mehr von Erfolg gekrönt ist, wenn sukzessive einzelne Punkte aus dem agilen Projektmanagement integriert werden, ohne diese vor dem PM als agil zu deklarieren. Wenn dann sowieso bereits zu 50% nach der entsprechenden Ideologie gehandelt wird, wäre ein Scrum Buch vielleicht das passende Geburtstagsgeschenk für den PM. Beim Lesen sollte es ihm/ihr dann wie Schuppen aus den Haaren fallen. Idealerweise hält der PM dann eure Idee noch für seine eigene…

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