Buchrezension – Nur Tote bleiben liegen

Change Management? Lächerlich! Das ist wie der Versuch, in den Schlössern die Monarchie zu reformieren, während draußen die Revolutionäre schon schießen.

Und damit ist schon vieles über das Buch von Anja Förster und Peter Kreuz namens Nur Tote bleiben liegen: Entfesseln Sie das lebendige Potential in Ihrem Unternehmen gesagt. Es strotzt nur so voller mitreißender Phrasen und Zitate, es weckt die Lust zur Veränderung und thematisiert viele der heutigen Probleme in Unternehmen.

Das Web ist der Reality-Check für jedes Zukunftsszenario. Die Strukturen im Internet sind die Blaupause für zukünftige Entwicklungen.

Nach der Meinung der Autoren geht es in der heutigen Zeit einzig und allein um Innovation, welche nur durch das Aufbrechen alter Strukturen und revolutionärer Ansätze möglich ist. Vorwiegend beziehen sie sich dabei auf die Arbeit an sich, d.h. wie wird mit Mitarbeitern umgegangen, welche Funktion haben in Zukunft Führungskräfte, welche Arbeitsatmosphäre muss geschaffen bzw. abgeschafft werden.

Aus der Seele spricht mir folgender Auszug, welchen ich auch als Grundlage für meinen Blogeintrag Lob ist Gift genommen habe:

Es ist auch jeder selbst dafür verantwortlich, am Abend mit dem zufrieden zu sein, was er den ganzen Tag gemacht hat. Da ist kein Chef mehr, der ständig sagt: „Super Leute“ Ich bin so stolz auf euch!“

Im großen und ganzen decken sich die Aussagen mit den modernen Konzepten der Personal- und Unternehmensführung, wie sie in der einschlägigen Literatur zu finden, in Betrieben aber noch selten anzutreffen sind. Als Beispiel sei der Blick auf den Vorgesetzten genannt, welcher in Zukunft mehr die Rolle des Coach einnimmt und dem Mitarbeiter hilft sich zu entwickeln, statt ihn zu bevormunden und Arbeitsanweisungen zu geben. Übrigens etwas, dass ich gestern erst wieder im Buch Scrum: Produkte schnell und zuverlässig entwickeln von Boris Gloger gelesen habe. Alternative Literatur gibt es also durchaus, allerdings beeindruckte mich der enthusiastische und mitreißende Schreibstil, sowie die vielen Praxisbeispiele. Demnächst werde ich ein Telefonat mit einer der darin genannten Firmen namens CPP Studios aus Offenbach führen. Diese haben sämtliche Lohntabellen offen gelegt, feste Arbeitszeiten annähernd abgeschafft und einen kontinuierlichen Arbeitsplatztausch implementiert.

Allerdings ist auch zu kritisieren, dass die Autoren häufiger Gleiches in neue Worte verpacken und das Buch dadurch unnötig in die Länge ziehen, wodurch nach 5 Seiten spannendem Text 10 Seiten langatmiges Wiederkauen keine Seltenheit sind.

Die Digital Natives sind „Vorreiter neuer Lebens- und Arbeitsmodelle … Talente müssen sich nicht den Strukturen eines Konzerns unterordnen, sondern der Konzern muss sich an den Bedürfnissen seiner Talente ausrichten.“

Leider dient nahezu ausschließlich das Internet und dessen Möglichkeiten als ideales Werkzeug zur Implementierung einer Innovationskultur. Darin begründet liegt wohl auch die Tatsache, dass die Autoren oftmals konkrete Maßnahmen schuldig bleiben. Ich stimme dem Duo zu: Mitarbeiter müssen lebenslanges, eigenständiges Lernen lernen und als Führungskraft ist es meine Aufgabe selbige dorthin zu bringen. Aber was sind dafür probate Mittel? Diese Antwort bleibt man meiner Ansicht nach schuldig.

Summa summarum eine klare Buchempfehlung, welches bereits die Kollegen in meiner Abteilung in Angriff genommen haben. In ihrem Vorgängerbuch Different Thinking, welches ich hier rezensiert habe, werden andere Schwerpunkte gesetzt, sodass sich die Bücher nicht vergleichen lassen. Für Personalverantwortliche und Führungsköpfe empfehle ich aber hiesiges Buch.

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