Business Analysten entwickeln fachliche Lösungen, Entwickler technische! Oder?

Die Grenze zwischen den Rollen im Entwicklungsprozess sind fließend. In meinem vorherigen Beitrag habe ich erläutert, wen ich mit welche Rolle betrauen würde und wie sich dadurch die Produktentwicklung um das 100-fache beschleunigen lässt.

Wer kann sich wie an der Lösung beteiligen?

Wer kann sich wie an der Lösung beteiligen?

In diesem Beitrag möchte ich meine Sicht darauf geben, bis zu welcher Stelle der Product Owner gefragt ist und wann die Arbeit des Entwicklers beginnt. Dazu greife ich das Beispiel aus diesem Video auf:

 5*3 = 15

Stellen wir uns den Entwickler als Schüler in einer Matheklasse vor, die Multiplizieren lernen sollen. Der Business Analyst (BA) ist dabei der Lehrer, welcher den Schülern erklärt wie die Multiplikation funktioniert. Lediglich das Ergebnis zu nennen kann bei sehr trivialen Prozessen möglich sein. Da die wenigsten Prozesse in Unternehmen trivial sind, gehen wir davon aus, dass wir einer Erklärung bedürfen. Und genau an dieser Stelle scheiden sich häufig die Geister: In welche Tiefe muss der BA in das Problem einstigen und wie weit ins Detail bei dem Lösungsansatz gehen?

Klar ist: Der Lösungsansatz muss vom BA kommen, denn nur er weiß, wie er den Prozess gerne hätte bzw. wie er korrekt ist. Im obigen Beispiel muss der Lehrer den Schülern sagen, dass sich eine Multiplikation in eine Summe umformen lässt. Das kennen die Schüler bereits. Der Lehrer würde ihnen also sagen:

5*3 = 5+5+5 = 15

Leider ist das falsch. Nicht das Ergebnis, aber der Rechenweg.

5*3 = 5+5+5 = 15

Denn der korrekte Rechenweg lautet:

5*3 = 3+3+3+3+3 = 15

Leider reicht es bei Prozessen nur selten, wenn lediglich das Ergebnis korrekt ist, denn die Zwischenergebnisse können auch weiterverwendet werden. Außerdem ist nicht gesagt, dass für alle möglichen Werte das Ergebnis immer stimmt.

Wir waren uns einig, dass der Rechenweg vom BA kommen muss. Macht es dann Sinn, dass der Entwickler diesen validieren und ggf. zig Testrechnungen durchführen muss, um die Richtigkeit zu gewährleisten? Würden das die Schüler der imaginären Schulklasse machen? Können diese überhaupt alle etwaige Abzweigungen/Konstellationen kennen. Was wäre, wenn wir von irrationalen Zahlen sprechen würden? Die sind den Schülern noch gar nicht bekannt. Aber wie sollten sie dann eine Testrechnung mit selbigen machen? Wenn als nächstes auf dem Lehrplan die Division stünde, welche in eine Multiplikation umgeformt werden kann, wären die Schüler dann in der Lage den Rechenweg dahingehend zu validieren, dass er später auch bei Divisionen funktioniert?

Ich bin der Meinung, dass dem nicht so ist und daher der BA sich entsprechend darum kümmern muss. Dagegen spricht ebenfalls, dass es im Sender-Empfänger-Modell immer zu Problemen kommen kann. Wenn ich beim Schach von einem Spielfeld rede, meine ich dann das gesamte Brett oder eines der 64 Felder? Je früher es dabei zu Missverständnissen kommt, desto weiter bewegt man sich von der Lösung weg. Denn wenn der BA nur kontrolliert, ob das Ergebnis 15 ist, dann könnte im Untergrund auch einfach 5+10 gerechnet worden sein.

Selbst kleine Ungenauigkeiten können in der Praxis grobe Probleme machen. Ob ich einen Rabatt entweder auf jede einzelne Position einer Rechnung anwende und dann summiere oder ob ich den Rabatt auf gesamte Rechnung anwende und dann auf die einzelnen Positionen verteile, ist ein großer Unterschied. In bestimmten Fällen können so Rundungsfehler entstehen, die am Schluss das Ergebnis verändern. Wenn ich zuerst 10% abziehe und dann wieder 10% dazu rechne, dann kommt eben nicht der ursprüngliche Betrag heraus.

Mit diesen Details müssen sich aus meiner Sicht die Business Analysten beschäftigen. In technische Lösungen einzusteigen, verlangt niemand. Genauso wenig erwarte ich, dass alles immer zu 100% durchdacht werden kann. Ich schließe auch nicht aus, dass die Entwickler Vorschläge für bessere Lösungen geben. Aber wenn es um die fachliche Problemanalyse und das Entwickeln eines Lösungsansatzes geht, dann ist das die Kernaufgabe der BAs.

Wie seht ihr das? Sind bei euch die Aufgaben klar getrennt? Funktioniert das bei euch? Oder übernehmen bei euch die Entwickler die Rolle Business Analysten?

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10 thoughts on “Business Analysten entwickeln fachliche Lösungen, Entwickler technische! Oder?

  1. […] und wie dieser mit anderen Prozessen interagiert. Für ein konkretes Beispiel kannst du diesen Beitrag […]

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  2. Gregor Woiwode 10. November 2015 um 8:39 Reply

    Hi Uli,

    das Multiplikationsbeispiel finde ich sehr gelungen (Bin selbst darauf reingefallen …).

    Für mich ist die Frage spannend, wie man Fehler in der Kommunikation der Prozesse aufdecken kann. Ich denke, dass das einfach passieren kann.

    Ein Mittel, um sich die Plausibilität des Prozessablaufs vor Augen zu führen ist, den Prozess in fünf Punkten aufzuschreiben.
    Das würde nicht der Business Analyst allein machen, sondern gemeinsam mit dem Team.
    Das hilft Widersprüche aufzudecken und stärkt das Verständnis des Teams für den Prozess.
    – Diese Technik habe ich der Methodik SIPOC entnommen (http://www.isixsigma.com/tools-templates/sipoc-copis/sipoc-diagram/)

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  3. Peter 12. November 2015 um 8:21 Reply

    Hallo Uli,

    bei uns ist es oft so, dass sich die Entwickler implizit als Business Analysten betätigen sollen – dementsprechend suboptimal ist dann oftmals leider auch das Ergebnis.

    Gruß,
    Peter

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    • Uli Armbruster 16. November 2015 um 14:05 Reply

      Was passiert denn, wenn ihr den entsprechenden Verantwortlichen darauf ansprecht?

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      • Peter 17. November 2015 um 11:12 Reply

        Hallo Uli,

        jedenfalls ist „Einsicht“ keine auch nur annähernd treffende Beschreibung.

        Gruß,
        Peter

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        • Uli Armbruster 20. November 2015 um 13:59 Reply

          Ich vermute mal, dass wenn du es ein zweites oder drittes Mal ansprichst, dann auch die Aussage kommt: Ist gut jetzt, kommen Sie mir nicht mehr mit diesem Thema.

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  4. Sebastian 16. November 2015 um 22:42 Reply

    Es gab schon in den 90ern Berufsbilder die nur den Zweck hatten einen Tranmissionsriemen(berühmtes Piratenzitat) zwischen fachlicher und technischer Ebene zu bilden. Leider wurde dieses Berufsbild wieder verworfen. Anschliessend wurde diese Minimalersparniss für einen weiteren Arbeitsplatz pro Projekt hinter so Begriffen wie „flache Hierarchien“ versteckt. Das meinen die Geschäftsführer wenn sie von „flachen Hierarchien“ reden, das bisschen dadazwischen einsparen zu können und nicht das was wir Entwickler damit meinen. Ab einer gewissen Grösse und langfristig rächt sich das immer. Es hat leider nur noch niemand einen Weg gefunden den BWL’ern zu erklären das sie damit über kürz oder lang auf die Fresse fallen.

    Star Trek Sinnbild:

    *Kirk: Status? McCoy: Warp Antrieb ausgefallen, wir brauchen 24 Stunden. Kirk: Ich brauch Warp in 2 Stunden McCoy: Okay, ich machs in einer Stunde.

    Du BWL’er Brücke glaubt immer noch wir im Maschinenraum sind einfach noch nicht genügend motiviert. Da kann man noch was rauskitzeln. Statt einfach mal nen Jahresgehalt in die Hand zu nehmen und zu sagen ihr Entwickler entscheidet welche Stelle und welche Aufgabe ihr am dringensten braucht….Es könnte so einfach sein.

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    • Uli Armbruster 20. November 2015 um 14:01 Reply

      True Story!
      Heute sind ja die sogenannten Wirtschaftsinformatiker die eierlegende Wollmilchsäue, die in allen Disziplinen Tiefenwissen haben sollen. Da ist dann das T in T-Shaped Professional eher ein III.

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  5. Carsten 26. Oktober 2016 um 21:04 Reply

    Hi,

    ich weiß ich bin ein wenig spät, aber ich sehe das gerade erst.

    Bitte verzeih mir, wenn ich mich hier auf das eine Detail konzentriere das ganz und gar nebensächlich ist, aber das hat mich hier eben direkt getriggert

    Meine Frage ist: warum soll der „richtige“ Rechenweg für 5*3 = 3+3+3+3+3 aber nicht 5+5+5 sein?

    Mal so gesagt: jede Multiplikation die ich einen Schüler auf nat. Zahlenbasis zeigen würde ist kommutativ – d.h. den Unterschied darf es nicht geben.

    Ich weiß – einige Lehrer definieren das so und nur so (was bescheuert und kontraproduktiv für die Schüler ist)

    Das schönste Beispiel das ich kenne ist das, wo die Multiplikation über das Addieren von Zeilen von irgendwas veranschaulicht wird:

    3

    5

    * * *

    15

    die meisten Kinder haben verstehen sofort, dass man das Recheck kippen darf:

    und haben sofort die Kommutativität verstanden.

    TL;DR: 5*3 = 5+5+5 ist natürlich 100% richtig wenn Dein Lehrer kein §-Nazi ist, der sich auf irgendeinen dümmlichen Blödsinn hält, denn er zwei Tage später wieder revidieren muss.

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  6. Carsten 26. Oktober 2016 um 21:06 Reply

    damn … meine schönen Sternchen sind alle verschwunden … da war sowas (hoffentlich überleben es die 0en

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    und

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